Gefahrenpotenziale bei alternativen Antrieben - Artikel Mannheimer Morgen

Bei einer Wehrübung der Bensheimer Feuerwehr standen Gefahrenpotenziale bei Elektro- und Gasfahrzeugen im Mittelpunkt.
Bei einer Wehrübung der Bensheimer Feuerwehr standen Gefahrenpotenziale bei Elektro- und Gasfahrzeugen im Mittelpunkt.

Wehrübung der Einsatzabteilung beschäftigte sich mit Elektro- und Gas-Fahrzeugen


Die Einsatzabteilung der Feuerwehr Bensheim-Mitte traf sich kürzlich zur vorletzten Wehrübung des Jahres. Anlass war eine Ausbildung zum Thema "Alternative Antriebe", bei der Jürgen Wolf, Kfz-Sachverständiger und Referent der Veranstaltung, seinen Kollegen der Feuerwehr die derzeitigen Alternativen zu konventionellen Verbrennungsantrieben vorstellte und auf Unterschiede im Einbau wie auf Gefahrenpotenziale hinwies. Als Einstieg eigneten sich einige Kurzfilme, die die Gefahr an der Einsatzstelle darstellten. In den Filmen ging es um Lkw-Brände auf Standstreifen von Autobahnen, bei denen die Vollsperrung nicht eingeleitet wurde. Durch den massiven Brand platzten die Reifen der Lkws, die dann gut fünf bis sechs Meter über die noch befahrene Fahrbahn geschleudert wurden. Ein weiterer Film zeigte einen brennenden Linienbus, der mit Erdgas angetrieben wurde. Die benötigten Erdgasflaschen waren wie üblich auf dem Dach des Busses angebracht. Durch die hohen Temperaturen stieg der Druck in den einzelnen Flaschen, der dann über ein Notventil das Erdgas entweichen und in meterweiten Flammen verbrennen ließ. Diese Filme sollten zu Beginn darauf hinweisen, dass in solch einer Situation die Autobahn vollgesperrt werden muss, um weder den nachfolgenden Verkehr noch die eigenen Einsatzkräfte zu gefährden.

Die neuen und alternativen Antriebe sind meist umweltschonender und sauberer als die bisherigen Antriebskonzepte, allerdings geht von ihnen ein anderes Gefahrenpotenzial aus. So führte Jürgen Wolf der Mannschaft einige Präsentationen vor, die Hybrid-, Gas- und Elektrofahrzeuge vorstellten. Dabei erklärte er zunächst die neuen Kraftstoffe wie Flüssiggas, Erdgas, Biokraftstoffe und Wasserstoffe und zeigte mögliche Kennzeichnungen, die an den Fahrzeugen angebracht sein können. Das Kürzel "CNG" steht zum Beispiel für komprimiertes Erdgas, während LPG auf ein verflüssigtes Gas hinweist. Bei diesen Fahrzeugen ist in der Regel ein zweiter Tankstutzen sowie ein Gasabblasventil vorhanden.

Hybrid-Fahrzeuge sind neben einem klassischen Verbrennungsmotor zusätzlich mit Batterie und Elektromotor ausgestattet. Die Kennzeichnung erfolgt meist durch den Zusatz "Hybrid" im Namen des Fahrzeugs. Leider gebe es noch keine einheitlichen Regeln und Normen, die den Einbau und die Platzierung der Antriebskomponenten festlegen. Dadurch werde sowohl die Identifizierung als auch die Arbeit mit den alternativen Antrieben für alle beteiligten Einsatzkräfte erschwert.

Dies betreffe auch Elektroautos, die über orangene Stecker spannungsfrei geschaltet werden sollten, um Insassen und Einsatzkräfte zu schützen. Allerdings werden diese Stecker hersteller- und modellabhängig an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Verschlüssen verbaut. Somit ist es für die Feuerwehr sehr wichtig, die Einsatzstelle in Zukunft noch sorgfältiger zu erkunden und auf mögliche Gefahren zu achten. Atemschutz sollte wegen austretender Atemgifte möglichst in jedem Brandfall getragen werden. Die Vorgehensweise der Brandschützer an der Einsatzstelle schilderte der Referent detailliert im Anschluss.

Nach der Mittagspause ging es auf den Vorplatz des Stützpunktes, auf dem ein Elektroauto auf die Teilnehmer wartete. Dieses wurde von einem Bensheimer Autozentrum für den praktischen Teil der Ausbildung bereitgestellt. Ein Mitarbeiter stand für aufkommende Fragen zur Verfügung. Anschließend durfte das Elektroauto sogar Probe gefahren werden. red

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 25.11.2015

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